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blomberg bewegungen die heilen

Dr. Harald Blomberg: „Bewegungen, die heilen.“

Einfache Übungen für jedes Alter.

RMT hilft bei ADHS, Lern- und Verhaltensproblemen

 

Ich erinnere mich noch genau an eine meiner Lieblingsbewegungen aus meiner Kindergartenzeit: Ich lag auf dem Bauch, schaukelte den Allerwertesten von einer Seite zur anderen und fühlte mich großartig. Nach der Lektüre von „Bewegungen, die heilen“ weiß ich nun, einige Jahrzehnte später, dass diese Übung ein Teil des „Rhythmic Movement Trainings“-Programms von Dr. Harald Blomberg darstellt. RMT ahmt unwillkürliche Bewegungsmuster von Babys nach, die eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Motorik und die Reifung des Gehirns sind. Der schwedische Psychiater entwickelte RMT aus dem heilpädagogischen Ansatz von Kerstin Linde, die während ihrer Zeit als Fotografin auffällig stereotype Bewegungen von Babys genau beobachtete.

 

RMT stellt eine Abfolge passiver und aktiver motorischer Übungen dar, die einen tiefen Einfluss auf den neurologischen Haushalt nehmen. Im Bestreben, genau darzulegen, inwiefern RMT sich auf Funktionen des Stammhirns, Kleinhirns, des limbischen Systems und des Kortex auswirkt, hat Blomberg „Bewegungen, die heilen“ zu einem wunderbaren Nachschlagewerk für ganzheitliche Coaches und Therapeuten ausgestaltet, die sich für die Entwicklung des menschlichen Gehirns interessieren.

 

In verständlicher Sprache erklärt Blomberg Mac Leans Modell des dreiteiligen Gehirns sowie die Bedeutung der wichtigsten frühkindlichen Reflexe und bietet plausible Erklärungen für Entwicklungsverzögerungen bis hin zu schweren psychischen Krankheiten an. Da Letzteres leider nicht im Buchtitel aufgeführt wird, ist man als Leser zunächst einmal überrascht. Es scheint auch nicht ganz einsichtig, weshalb die Darstellung von Lernproblemen durch den plötzlichen Exkurs über Psychosen und Autismus unterbrochen und nach diesem Exkurs weiter fortgeführt werden. Hier wäre evtl. eine klarere Strukturierung des Inhalts leserfreundlicher gewesen. Nichtsdestotrotz, auch wenn man nicht im psychiatrischen Kontext tätig ist, lohnt es sich, sich vom Autor in diesem weiten Bogen führen zu lassen. Denn so erfährt der Leser, dass RMT nicht nur Kindern mit Schulproblemen dabei hilft, sich besser zu konzentrieren, länger still zu sitzen und leichter zu lesen und zu schreiben. Blombergs Erfahrungen basieren u. a. auf konkreten Heilerfolgen von Menschen mit schwersten psychischen Beeinträchtigungen.

 

„Bewegungen, die heilen“ ist auch ein leidenschaftlich wissenschaftskritisches Buch: Akribisch wird der Einfluss der Pharmalobby auf Studien über zentral wirksame Stimulanzien wie Metylphenidat offengelegt; die erwähnten Folgen für die Gesundheit Betroffener in jahrelang ignorierten Studien erschrecken. Statt des Einsatzes solcher Chemiekeulen, die, glaubt man Blomberg, eine regelrechte pharmazeutische Zeitbombe darstellen, setzt der Autor auf natürliche Methoden wie die Berücksichtigung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, ökologischen Einflüssen wie Elektrosmog und Schwermetallbelastung sowie auf die Vermeidung von umstrittenen Impfungen. Und auf RMT.

 

Die 15 passiven und aktiven Übungen wirken im Selbstversuch angewandt auf wohltuende Weise klärend und erfrischend, als würde etwas im Kopf `freigepustet´. Doch wäre bei den Übungsanleitungen ein etwas genaueres Lektorat hilfreich gewesen: Einige Bildunterschriften werfen schlichtweg Fragen auf. Der Anteil der praktischen Übungen im Vergleich zum umfangreichen theoretischen Vorbau ist darüberhinaus mengenmäßig gesehen einfach sehr gering. Das macht die Lektüre von „Bewegungen, die heilen“ nicht weniger lesenswert.

 

Doch bleibt der Gesamteindruck, dass es sinnvoll sein kann, RMT bei Fachleuten zu erlernen bzw. zu erleben.

Infos über Kurse mit Dr. Blomberg persönlich in Deutschland:
www.iak-freiburg.de

 

Dr. Harald Blomberg: „Bewegungen, die heilen.“

VAK Verlag, Kirchzarten bei Freiburg 2012 (schwedische Originalausgabe 2008)
ISBN-Nr.:  978-3-86731-101-4

 

 

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